Überleben auf Zeit

51 und 55! Erfahrene Glücksspieler wissen sofort, dass es sich hierbei de facto nicht um die Superzahlen der beiden vergangenen Lottoziehungen handeln kann. Vielmehr sind es die Altersangaben der beiden Spieler, die der SV Titania Kruge in der vergangenen Woche für die eigene Männermannschaft und den startenden Saisonendspurt nachgemeldet hat. Ein Wegweiser für die Zukunft, wenn es sie denn gibt.

Lange war der Himmel über dem Vereinsgelände des SV Titania Kruge nicht mehr so grau und trist, wie in diesen Tagen. Nun ließe sich die Begründung in der Jahreszeit und der aktuellen Wetterlage suchen, bei genauerem Betrachten wird man jedoch feststellen, dass die Ursache durchaus tiefer sitzt. Während die Spielzeit 2021/22 allmählich auf die Zielgerade gelangt und scheinbar erstmals wieder eine Saison mit vollständiger Wertung abgeschlossen wird, richten sich die Blicke der Verantwortlichen vermehrt in Richtung des 1. Juni, dem Stichtag zur Mannschaftsmeldung für die kommende Saison.

Balancierten die Titanen in den vergangenen Jahren stets waghalsig auf dem dünnen Seil des Amateurfussballs, bekamen vereinzelt sogar Rückenwind und sahen sich dabei nur selten Gefahren ausgesetzt, geriet der Kruger Sportverein, hinsichtlich seiner Männermannschaft, nun ernsthaft ins Wanken. Wenngleich man die Wiederaufnahme des Spielbetriebes mit Beginn des Jahres 2022 freudig zur Kenntnis nahm, musste man sehr bald registrieren, dass die wiederkehrenden Pandemie-Unterbrechungen den eigenen Verein nachhaltig verändert hatten. Das Spielergerüst der Männermannschaft hat in diesen Monaten, welche für alle Sportvereine insbesondere von Ungewissheit geprägt waren, sichtlichen Schaden genommen.

Eine vollständig konträre Entwicklung zum Vereinsleben. Mit den Bambinis und den D-Junioren dürfen sich die Titanen glücklich schätzen, gleich zwei Jugendmannschaften in ihren Reihen zu wissen. Ein Segen für jeden Dorfverein. Auf dem Hauptplatz wurde eine vollautomatische Bewässerungsanlage installiert, welche mittlerweile sogar über einen eigenen Brunnen versorgt wird. Das Vereinsheim wird sukzessive renoviert und in Stand gesetzt. Und der Männermannschaft droht der Knockout.

Nun ließen sich die Gründe ausführlich eruieren. Kein wiederkehrender Nachwuchs, familiäre Verpflichtungen, Altersgründe, demographischer Wandel, andere Hobbys … sie sind sicher vielschichtig und das Ergebnis bleibt dennoch das gleiche. Doch bedeutet das, dass man diesen schleichenden Prozess einfach hinnehmen sollte, weil es ja vielen Vereinen nicht anders ginge?

Der SVT wird sich in den kommenden Wochen mit weiteren Fragen auseinander setzen müssen. Will man in der folgenden Saison noch eine Männermannschaft stellen? Welche Spieler stehen dafür noch zur Verfügung? Unter welchen Bedingungen erfolgt eine mögliche Fortsetzung? Wird man nochmals Spieler akquirieren können?

Blickt man auf Bilder und Videos lässt sich erkennen, welche Energie und Kraft dieser Sportverein in den vergangenen Jahren immer wieder freigesetzt hat und wie sehr er dabei von seinen Mitgliedern getragen wurde. Für viele ist es nicht vorstellbar, dass diese Geschichte nun eventuell abrupt enden soll. Antworten wird es geben müssen, spätestens bis zum 1. Juni.

Aber alles Ansichtssache.

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