{"id":70,"date":"2019-10-21T13:57:25","date_gmt":"2019-10-21T13:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/titania-themen.de\/?p=70"},"modified":"2020-07-06T07:52:59","modified_gmt":"2020-07-06T07:52:59","slug":"kampf-dem-lokalrivalen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/titania-themen.de\/?p=70","title":{"rendered":"Kampf dem Lokalrivalen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz unten riecht der Fu\u00dfball noch nach Rasen, Finalgon und Kreide. Ganz unten spielen nicht Teams gegeneinander, sondern ganze D\u00f6rfer. Ganz unten steht man f\u00fcr ihn ein, seinen Verein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allesamt Leits\u00e4tze, die viele bereits in fr\u00fchester Fussballjugend wahrnahmen und vermittelt bekamen. Dabei kam insbesondere der Lokalpatriotismus nie zu kurz. Dieser war zwar bereits damals auf wenige Quadratkilometer beschr\u00e4nkt, eine Gemarkung aus ein paar H\u00e4usern und Feldern, daf\u00fcr aber umso hitziger ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch nach fast 20 Jahren sind die Erinnerungen kaum verblasst. Denke ich an meine fussballerischen Anf\u00e4nge zur\u00fcck, kommen mir nicht nur die ersten katastrophalen Fehlp\u00e4sse und br\u00fctend hei\u00dfer Pausentee in den Sinn, sondern vor allem eins: Wenn das &#8220;gro\u00dfe&#8220; Derby in der C-Jugend-Kreisklasse bevorstand, kam es in der Schule zu pers\u00f6nlichen Reibereien unter den rivalisierenden Kickern und die Psychospielchen nahmen teilweise abenteuerliche Ausma\u00dfe an. Umh\u00fcllt war das ganze von Vorfreude und Hoffnung auf den langersehnten Derbysieg. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich waren wir ja alle Vereine aus Bauernd\u00f6rfern, die ein Zugereister nicht h\u00e4tte unterscheiden k\u00f6nnen. Hatten sie doch alle eine Kirche, einen Friedhof, eine Freiwillige Feuerwehr, sowie einen Tante-Emma-Laden. Dennoch gab es einen entscheidenden Unterschied. Wir sind wir und das sind die anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wurde dann auch auf dem Rasen deutlich. Im Mittelkreis versammelten sich vor Spielbeginn vierzehn J\u00fcnglinge, Sieben gegen Sieben auf dem Kleinfeld, mehr gab so ein Dorf ja nicht her. Wir trugen zu gro\u00dfe oder zu enge Trikots, je nach Gewichtsklasse, in willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Farben und mit einem stets insolventen Brustsponsor. Unmittelbar nach Anpfiff ging es dann auch neben dem Spielfeld hei\u00df her. W\u00e4hrend einer der Familienv\u00e4ter sich mit dem Unparteiischen (der meistens ein parteiischer Nicht-Schiedsrichter der Heimmannschaft war) anlegte, krakelte der \u00dcbungsleiter quer \u00fcber das Spielfeld und versuchte sein Team mit Standard-Floskeln wachzur\u00fctteln. Und das ganze trotz 0:8 R\u00fcckstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denke ich an diese Zeit zur\u00fcck, muss ich unweigerlich schmunzeln. Wenngleich diese Momente viel Situationskomik beinhalten, haben sie mir auch aufgezeigt, dass der eigene Verein mehr als Zeitvertreib sein kann. Entwicklungshelfer, Lehranstalt und sogar Lebensinhalt. Und das gilt es zu sch\u00fctzen. Erst recht, wenn es einen Verein in n\u00e4chster N\u00e4he gibt, der das gleiche f\u00fcr sich beansprucht und um die Gunst der \u00f6rtlichen Kicker und Anh\u00e4nger buhlt. Hier kann es nur einen geben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedoch hat der demographische Bev\u00f6lkerungswandel vor einigen Jahren eine Entwicklung ausgel\u00f6st, die unaufhaltsam scheint und die eine gro\u00dfe Wirkung mit sich bringt, auch im Vereinsleben. Ein leidiger Bestandteil ist die Einf\u00fchrung von Spielgemeinschaften. Ein Zusammenschluss von verschiedenen, h\u00e4ufig lokalen, Vereinen, um mit zunehmendem Spielerschwund die jeweilige Teilnahme am Spielbetrieb zu sichern. Eine nachvollziehbare Praktik, die mittlerweile nicht nur bei den Junioren, sondern auch im Herrenbereich vollzogen wird. Somit stirbt er aus: der Lokalrivale! Die Leidtragenden sind die n\u00e4chsten Generationen und vor allem die Vereinskultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich sind es gerade im Amateurfussball die kleinen Anekdoten und \u00f6rtlichen Scharm\u00fctzel, die das Besondere und den Unterschied zum finanziell ausgerichteten Profisport ausmachen. Lacht man sich doch in Kruge immer noch ins F\u00e4ustchen, wenn man an die Geschichte zur\u00fcckdenkt, als der eigene Vereinspr\u00e4sident mit dem Rasenm\u00e4her einen &#8220;TITANIA&#8220; Schriftzug in das Spielfeld des SV Beiersdorf m\u00e4hte und die Roten R\u00fcben an eine Weiterentwicklung der Kornkreise glaubten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher sollten wir die letzten Z\u00fcge dieser schwindenden Zeit ausgiebig nutzen, denn die Dauer scheint ungewiss. Dazu geh\u00f6rt es zu frotzeln, zu sticheln, zu provozieren und auch mal \u00fcber das Ziel hinaus zu schie\u00dfen. Wenngleich dabei sowohl die n\u00f6tige Portion Humor, als auch der notwendige Respekt auf allen Seiten nie verloren gehen sollte, steht trotz demographischem Wandel bis auf alle Ewigkeit fest: keiner pisst in unser Revier!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber alles Ansichtssache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz unten riecht der Fu\u00dfball noch nach Rasen, Finalgon und Kreide. Ganz unten spielen nicht Teams gegeneinander, sondern ganze D\u00f6rfer. Ganz unten steht man f\u00fcr ihn ein, seinen Verein. Allesamt Leits\u00e4tze, die viele bereits in fr\u00fchester Fussballjugend wahrnahmen und vermittelt bekamen. Dabei kam insbesondere der Lokalpatriotismus nie zu kurz. 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