Mehr denn je

In Kruge geht es in der Regel recht ruhig zu. Doch aktuell ist es noch ruhiger als ohnehin schon im beschaulichen Ort der Gemeinde Falkenberg. Ein Haupt- und ein Trainingsplatz grenzen auf der Sportanlage an ein Feld und eine Biogasanlage. Der Weg um das Vereinsgelände des SV Titania Kruge wird hin und wieder von Spaziergängern zum Ausführen ihrer Hunde genutzt. Wenn im Früh­ling die Tem­pe­ra­turen steigen und die Sonne wieder über Märkisch-Oderland lacht, erwacht auch Titania wieder zum Leben.

Man sitzt zusammen vor dem Vereinsheim, trinkt das ein oder andere Bier und genießt die Zeit. Das übliche Geschrei auf dem Spiel­feld sorgt für die klas­si­sche Fussball­at­mo­sphäre. Wenn die Hausherren treffen, huscht ein Tor­jubel über die Anlage. Ehemalige Kicker, Familienmitglieder der Spieler und Rentner, die irgendwie zum Inventar des Ver­eins gehören, geben wohl gemeinte Rat­schläge an die Spieler oder weisen den Schieds­richter darauf hin, wie er zu pfeifen hat. Ein Raunen geht durch das Kruger Rund, fliegt wieder ein Tor­schuss in die Ferne und somit weit am Kasten vorbei. Übliche Szenen im März.

Still ruht der See bzw. Sportplatz: Gähnende Leere auf dem Vereinsgelände des SV Titania Kruge

Das gilt leider nicht in diesem Jahr. Wie überall in Deutsch­land ruht auch der Spiel­be­trieb in der 1. Kreisklasse Ost im Fussballkreis Oberhavel/Barnim. 1. Kreisklasse, das bedeutet elfte Liga, viele bekannte Gesichter, viele Fehl­pässe, Fussball vom alten Schlag. Nicht einmal die Hinrunde konnte vollständig absolviert werden, es bleibt ungewiss wo die Titanen stehen und wann es weitergeht. Das Ver­eins­ge­lände ist abge­rie­gelt, die Spiele fallen aus, der Trai­nings­be­trieb ruht. Nur die alten Hasen sind gelegentlich vor Ort und sorgen weiterhin für Recht und Ordnung in ihrem einstigen zu Hause. Ist die Arbeit getan, kehrt sie wieder ein, diese gespens­ti­sche Stille. Für den Sektionsleiter Dieter Süßbier ein schweres Unterfangen: ​„Es ist schade, dass wir aktuell zur Pause gezwungen sind. Die Bambinis, die E-Junioren, die Männermannschaft und am Wochenende die Spiele. Hier war fast jeden Tag Betrieb.“

Mittlerweile ein unwirkliches Bild: Das gewohnte Auflaufen der Mannschaften

Mit der Stille setzt unweigerlich auch das Grübeln ein. Wann wird es weitergehen? Wie wird es weitergehen, wenn es dann endlich weitergeht? Mit wem wird es dann noch weitergehen? Vermissen die anderen das beschriebene Szenario genauso wie ich oder genießen sie sogar diese unfreiwillige Fussballpause? Werden alle zurückkehren, um den Verein weiter zu unterstützen? Schließlich sind sie es, die das Titania Herz schlagen lassen. Ausbleibende Zuschauereinnahmen spielen eine untergeordnete Rolle, da der SV Titania Kruge ehrenamtlich organisiert ist. Es sind insbesondere die Mitglieder, welche das Rad in Kruge am Laufen halten. Doch sind wir damit immun gegen die aktuelle Situation, in der alle fast ausschließlich über finanzielle Verluste klagen?

Die Zusammengehörigkeit wird wohl auch beim SVT in den kommenden Monaten arg auf die Probe gestellt. Es wird sich zeigen, ob das Vereinsmotto Stolz und Treu lediglich als lose Phrase dient oder ob es sich bewahrheitet, was viele Titanen immer und immer wieder behaupten: Dieser Verein ist anders! Es stehen viele Fragen im Raum über deren Antworten sich derzeit nur mutmaßen lässt. Erhalten wird man diese erst zu gegebener Zeit. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass sich die Titanen ihrer Verantwortung bewusst sind, denn ihr Sportverein braucht sie aktuell mehr denn je. Momentan geht es in der Diskussion nicht um sportlichen Erfolg, Auf- und Abstieg, sondern um den Erhalt vom SV Titania. Und hierzu kann wirklich jeder mit seinem Engagement, seiner Mitgliedschaft und mit seiner Unterstützung ungefragt seinen Teil beitragen.

Aber alles Ansichtssache.

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